Tipps von Diabetes Experten

Prof. Dr. med. Stettler ist einer der renommiertesten Schweizer Diabetologen mit Fokus auf Sport. Hier gibt er wertvolle Ratschläge für das Training mit Diabetes.


Optimale Einstellung = Optimale Leistung

Eine optimierte Diabetestherapie auch gerade während und nach einem Training oder Wettkampf unterstützt den Trainingseffekt und die Regeneration – und unterstützt so die sportliche Leistungsfähigkeit.

Je länger, desto weniger

Die grösste Herausforderung liegt sicherlich in der Tatsache, dass körperliche Aktivität die Empfindlichkeit auf das Insulin erhöht und damit eine zum Teil beträchtliche Reduktion der Insulindosis nötig macht. Dies ist insbesondere der Fall bei sportlichen Leistungen im Ausdauerbereich – zu denen auch das Laufen zählt. Hier muss das Insulin nicht selten um 50 Prozent oder mehr reduziert werden.

In Absprache mit dem persönlichen Diabetesberater oder Arzt sollte deshalb unbedingt vor dem Start jeder „Läuferkarriere“ eine individuelle Anpassungstrategie erarbeitet werden.

Leistung hoch, Zucker hoch

Bei körperlicher Aktivität im maximalen Leistungsbereich, bei Kraftsportarten und auch bei Spielsportarten kann es zu einem kurzfristigen Blutzuckeranstieg kommen. Um Komplikationen zu vermeiden, sollte im Vorfeld immer mit einem Arzt oder Diabetesberater besprochen werden, wie die Therapie entsprechend angepasst werden kann.

Achtung, Langzeitwirkung

Die durch Sport erhöhte Insulinsensitivität kann je nach erfolgter Leistung über Stunden, im Extremfall sogar über Tage, anhalten und entsprechende Therapieanpassungen auch über diese Zeiträume nötig machen.

Pumpe statt Pen

Ideal für Sportler ist in den allermeisten Fällen die Insulinpumpentherapie, da diese als einzige Therapieoption die rasche Senkung der Insulinrate erlaubt.

Schritt für Schritt ans Ziel

Generell ist bei der Theapieoptimierung ein schrittweises Herantasten durch Veränderung jeweils nur eines Faktors wichtig – nur Basisinsulin, nur Bolusinsulin, nur Ernährung, nur Getränke, nur die Dauer der sportlichen Tätigkeit, nur die Intensität. Nur so kann man sehen, welche Veränderung welchen Effekt hat. Dazu hilft es, immer wieder kleine „Studien“ mit sich selber durchzuführen, in sich hineinzuhorchen und die Blutzuckerwerte noch genauer als üblich zu kontrollieren. Am Ende steht dann der optimale Trainingsplan auch für’s Insulin.

Gibt es die ideale Therapie für Läufer mit Typ-1-Diabetes?

Die Insulinpumpe ist die grundsätzlich beste Therapieoption. Der Grund: Der Läufer kann hier mit einer kurzen Vorlaufszeit vor Beginn des Sports die Basalrate absenken – und die reduzierte Basalrate auch nach dem Sport noch so lange weiter laufen lassen, wie es für ihn persönlich nötig ist, bis er sie dann langsam wieder ans normale Niveau angleicht.

Aber auch unter einer FIT/Basis-Bolus-Therapie ist eine sportliche Tätigkeit durchaus realistisch. Es braucht dazu jedoch eine etwas vorausschauendere Planung.

Laufen zum Gewichtabnehmen

In 1 kg Fett sind ungefähr 9.000 kcal Energie gespeichert. Möchte man überflussiges Fett verbrennen und dadurch Gewicht verlieren, muss man – einfach ausgedruckt – mehr Kalorien verbrennen als man mit dem Essen zu sich nimmt.

Wie wirksam gerade Laufen für die Gewichtsabnahme ist, zeigt ein Blick auf den erzielten Kalorienverbrauch im Vergleich zu anderen Tätigkeiten:

Kalorienverbrauch bei einer 100kg schweren Person

Tätigkeit Kalorienverbrauch
pro Stunde
benötigte Zeit um 1 kg
Fett zu verbrennen
Sitzen 100 kcal/h 90 h
Spazieren 200 kcal/h 45 h
Hausarbeit 300 kcal/h 30 h
Gehen/Gartenarbeit 400 kcal/h 25 h
Walking/Radfahren 500 kcal/h 20 h
Jogging/Schwimmen/Badminton 700 kcal/h 15 h

Joggen statt spazieren

Während eine 100 kg schwere Person 45 Stunden gemütlich spazierengehen müsste, um 1 kg Fett zu verbrennen, schafft sie das mit Joggen in gerade mal einem Drittel der Zeit!

Auf die Uhrzeit kommt es an

Typ-2-Diabetiker, die Sport (auch) machen, um abzunehmen, sollten auf die Uhr schauen: Ideal sind Tageszeitpunkte mit einer niedrigeren Insulinkonzentration. Das ist bei einer Basis-Bolus-Insulintherapie z.B. in den 1–2 Stunden vor der nächsten Mahlzeit – und nicht gerade unmittelbar nach einer Mahlzeit. Wird morgens und abends Mischinsulin verabreicht, sollte die Laufeinheit eher auf den Nachmittag als auf den Vormittag gelegt werden.

150 Minuten pro Woche

Die American Diabetes Association ADA empfiehlt allen Diabetikern (sofern sie keine anderen schwerwiegenden Erkrankungen haben) ein wöchentliches Bewegungsprogramm von 150 Minuten aerober körperlicher Aktivität mit moderater Intensität – das heißt, einen Sport, bei dem die Herzfrequenz bei 50 bis 70 Prozent der theoretischen maximalen Herzfrequenz liegt. Also, beispielsweise Radfahren – oder zügiges Laufen.

3 x 45 = 100%

Und zwar 100% empfehlenswert. Denn: Bereits bei einer dreimal pro Woche erfolgenden körperlichen Aktivität von jeweils 45 bis 50 Minuten Dauer zeigen sich eine Mehrzahl gerade für Typ-2-Diabetiker positiver Wirkungen: die Verbesserung der HbA1c-Werte (also des „Blutzuckergedächtnisses“) um bis zu 0,6%, der Anstieg des „guten“ HDL-Cholesterins und eine Absenkung des Blutdrucks.

Vorsicht bei angereicherter Getränken.

In gewissen Sportarten werden sehr kohlehydratreiche Getränke zu sich genommen, die den Blutzucker rasch hoch ansteigen lassen können – gleichzeitig aber den Körper zum Teil nicht nachhaltig genug mit länger wirkenden Kohlehydraten versorgen. Solche Blutzuckerausschläge gestalten die Therapieanpassung schwierig und sollten von Sportlern mit Diabetes unbedingt vermieden werden.

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Sanofi ist einer der führenden Anbieter von Lösungen für Menschen mit Diabetes. Zu unserem breiten Diabetes-Spektrum gehören neben Insulinanalogon- und Humaninsulin-Medikamenten, oralen Antidiabetika, Injektionshilfen und Blutzuckermessgeräten auch zahlreiche Services für Diabetes-Patienten, Mediziner und Diabetisches Fachpersonal. Mit der Initiative „STARK für’s Leben mit Diabetes” von Sanofi Diabetes laden wir zu kulturellen und sozialen Initiativen ein, unterstützen Diabetiker in sportliche Aktionen oder beteiligen uns an wissenschaftlichen Projekten.